Rede anlässlich des Empfangs - www.daniel-sander.de
25. September 2017


 

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Rede anlässlich des Empfangs "60 Jahre Bundesrepublik Deutschland"

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Zeller_01ich begrüße Sie ganz herzlich zu dieser Feier zum 60. Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland und der Verkündung des Grundgesetzes.

Schön, dass am heutigen Verfassungstag so viele gekommen sind, um dieses Jubiläum gemeinsam feierlich zu begehen.

Ganz besonders herzlich begrüße ich den Hauptredner des heutigen Tages, den Präsidenten des Regionalrats der Region Elsass, Herrn Staatssekretär Adrien Zeller.
Monsieur le Président, Bienvenue a Fribourg!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

unser Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Dr. Klaus Schüle kann heute nicht zu unserer Feierstunde kommen.

Er hatte die Ehre, Horst Köhler wieder zum Bundespräsidenten zu wählen. Herr Präsident Zeller, ich soll Ihnen und der gesamten Versammlung seine herzlichen Grüße übermitteln.

Zeller_02Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass unser verdienter und kompetenter Bundespräsident Horst Köhler schon im ersten Wahlgang wiedergewählt ist. Er ist ein echter Bürgerpräsident und mit seinen Wirtschaftskenntnissen der richtige Präsident zur richtigen Zeit.

Herr Präsident Zeller,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

heute ist ein großer Tag für Deutschland.

Wir können zurückblicken auf 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland. Das bedeutet 60 Jahre Frieden und Freiheit in Europa!

Darauf können wir stolz sein!

60 Jahre Bundesrepublik heißt aber heute auch, dass wir seit bald 20 Jahren wiedervereinigt sind.

Der Traum von 1949, der Traum vom vereinigten Deutschland, ist in der friedlichen Revolution von 1989/90 wahr geworden.

Meine Damen und Herren,

Zeller_03dies alles ist keine historische Selbstverständlichkeit.

Nach den schrecklichen Erfahrungen der Menschen mit der Nazi-Diktatur,
der Ermordung der europäischen Juden und den Zerstörungen des Weltkrieges sehnten sich die Menschen nach Frieden und Freiheit.

Sie arbeiteten hart am Aufbau des Landes aber auch des neuen Staates. Es ist ihnen vorbildlich gelungen und bis heute eine Erfolgsgeschichte.

Einen beachtlichen Anteil an der Blüte der letzten 60 Jahre hatte unser Grundgesetz.

Die 65 Männer und Frauen des Parlamentarischen Rates unter Führung von Konrad Adenauer, 32 davon aus der Union, hatten alle ihre eigenen persönlichen Erfahrungen aus der Weimarer Republik und mit der Diktatur des Dritten Reiches.

Sie haben etwas erlebt, was wir uns Gott sei Dank nicht wirklich vorstellen können:

Sie haben erlebt, diese Diktatur menschliches Leben zu unwertem Leben verurteilte und ermordete.

Zeller_04Sie haben erlebt, wie diese Diktatur die Menschenwürde mit Füßen trat. Deshalb war es aus dieser Erfahrung heraus konsequent, dass vom Parlamentarischen Rat als Eingangsstatement, als Leitsatz für die neue Verfassung, in Artikel 1 geschrieben wurde:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Das war die Erfahrung aus dieser furchtbaren Zeit. Aber zur gleichen Zeit war im Parlamentarischen Rat ebenso präsent, dass die Verfassung die Menschenwürde nicht schafft, nicht neu erfindet.

Die Verfassungsväter wussten, dass die Menschenwürde vor der Verfassung, vor jedem menschlichen Recht steht. Deshalb wurde in der Präambel des Grundgesetzes folgerichtig formuliert:

In Verantwortung vor Gott und den Menschen werde das Folgende als Verfassung niedergelegt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

neben diesem zentralen Wert, neben dieser zentralen Aussage zur Menschenwürde, sind die ersten 19, bzw. 20 Artikel des Grundgesetzes von einem weiteren zentralen Wert geprägt. Er ist ebenfalls aus der Erfahrung unserer Geschichte begründet. Ich rede vom Wert der Freiheit.

In wesentlichen Artikeln des Grundgesetzes wurde die Freiheit des Einzelnen formuliert – die Religionsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Koalitionsfreiheit –,
und als direkte Konsequenz aus Menschenwürde und Freiheit wurde dann in Artikel 2 der Schutz des Lebens formuliert.

Dies alles ergibt ein Wertesystem, das von einem Menschenbild des mündigen und eigenverantwortlichen Bürgers ausgeht.

Heute ist es unser Recht - fast auch unsere Pflicht - daran zu erinnern, wie außerordentlich es in der damaligen Zeit war, unser Grundgesetz auf so feste Füße zu stellen.

Wenn auch die Freude über den neuen demokratischen Staat damals dadurch getrübt war, dass die Länder in der SBZ ausgeschlossen waren und wenig später die „DDR“ gegründet wurde, so können wir heute im wiedervereinigten Deutschland umso mehr die Weisheit der Mütter und Väter des Grundgesetzes herausstellen.

Meine Damen und Herren,

die Wiedervereinigung, die Gegenwart und die Zukunft Deutschlands sind ohne den europäischen Integrationsprozess nicht denkbar.

Die Westintegration, die Wiedervereinigung und schließlich die Aufnahme der osteuropäischen Staaten in die Europäische Union im Jahr 2004 haben Europa neu entstehen lassen. Trotz aller Herausforderungen in der täglichen Praxis ist das ein großer Erfolg und wird auf Dauer Europa festigen.

Ganz besonders gehört dazu gerade hier in Freiburg natürlich die Aussöhnung mit dem ehemaligen so genannten „Erbfeind“ Frankreich.

Aus der Aussöhnung mit Frankreich wurde auch dank Konrad Adenauer und Charles de Gaulle eine deutsch-französische Freundschaft, die bis heute auch im großen Europa ein wichtiges Fundament der Handlungsfähigkeit der europäischen Institutionen ist.

In der Region Oberrhein sind wir längst über den Rhein hinweg sehr eng befreundet.

Man geht diesseits und jenseits des Rheins die jeweiligen Spezialitäten einkaufen und spricht in den meisten Fällen auch ein wenig die Sprache des Nachbarn.

Dies ist auch heute ein Grund zur Freude.

Und so freue ich mich ganz besonders, dass Adrien Zeller zu unserem 60. Jahrestag gekommen ist, um als französischer Politiker seine Verbundenheit mit uns auszudrücken.
Herr Präsident, das ist eine große Geste und eine große Ehre für uns und ich danke Ihnen, dass Sie bei uns sind.

Meine Damen und Herren,

in Freiburg muss ich Herrn Präsident Zeller eigentlich nicht mehr vorstellen.

Er war lange Jahre Abgeordneter des Elsass in der Nationalversammlung, Bürgermeister in Saverne, er war Staatsekretär im Kabinett von Jacques Chirac und ist seit 1996 Präsident des Regionalrates Elsass.

Er war aber auch – und das ist uns Freiburgern unvergessen – ein enger Freund unseres ehemaligen Regierungspräsidenten, Bundestagsabgeordneten und Stadtrates Conrad Schroeder.

Zusammen haben sie die deutsch-französische Freundschaft am Oberrhein gepflegt, erweitert und vertieft.

Herzlichen Glückwunsch, Bundesrepublik Deutschland
und
Vive l’ amitié franco-allemande!

Herr Präsident, Sie haben das Wort!



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